Madrid.

Mir ist schon lange klar, dass ich ein Fluchtmensch bin. In meinem Leben hat es schon öfter Abschnitte gegeben, in denen ich am liebsten vor mir selbst davongelaufen wäre. Alles abbrechen. Einmal neu anfangen, bitte. Vor einigen Jahren bin ich nach Madrid geflüchtet. Ich hatte ein Praktikum, aber ansonsten so gut wie nichts im Vorhinein organisiert. Ich wollte einfach eintauchen in ein neues Leben.

Die Fassade der Person aufzubauen, die ich sein wollte, gelang im ersten Monat noch sehr gut und ich hatte auch das große Glück, eine der wohl herzlichsten WGs gefunden zu haben, die man sich vorstellen kann. Aber als der August ins Land zog und die Tage lang, heiß und leer wurden, war ich wieder da, mit all meinen Ängsten, Unsicherheiten und inneren Reibereien. Ich weiß noch, wie ich damals stundenlang in der Stadt umhergewandert bin, ohne Ziel, aber mit der Absicht so viel wie möglich in mich aufzunehmen, eine Verbindung aufzubauen, eine neue Basis zu schaffen und nicht wieder zurückzumüssen in mein altes Leben.

Die Monate, die ich in Madrid gelebt habe, wurden zu besonders wichtigen für mich. Obwohl es nur eine kurze Zeitspanne meines Lebens war, hat sie mich überproportional stark geprägt, mehr noch als manch lange Jahre. Ich verbinde so viel mit dieser Stadt, sie hat mir so vieles gezeigt, mich erleben und spüren lassen, mich so vieles gelehrt.

churrosIch hatte Madrid nun jahrelang nicht mehr besucht. Vor Kurzem wurde ich allerdings wieder dorthin eingeladen. Meine Mitbewohnerin aus jener Zeit wird den Mann heiraten, den sie an diesem Ort kennengelernt hat. Deshalb wurde sie mit einem extra aus ganz Europa eingeflogenen, 15-Frauen-starken Jungesellinnenabschiedsteam in Madrid überrascht.

Es war ein Wochenende voll mit Erinnerungen. Erinnerungen an damals, an die Person, die ich war und die, die ich in der Zwischenzeit geworden bin, die Dinge, die sich nicht verändern und all die neuen Eindrücke, die am Ende bleiben. Die Stadt fühlt sich an wie damals. Ich höre das madrilenische Spanisch, das meine Seele immer so streichelt. Und ich hab Schmetterlinge im Bauch. Madrid ist einzigartig, das Gefühl auf der Haut, der Geschmack der Luft, die weiten Straßen und die engen, der blaue Himmel, die riesigen, eindrucksvollen Gebäude. Ich bin immer noch verliebt in Madrid und es ist egal, dass wir nicht mehr dieselben sind, wie damals.

Am Ende habe ich wieder das Gefühl nicht mehr weg zu wollen. Madrid ist Madrid. Madrid ist eine der größten Lieben meines Lebens und das wird sie immer bleiben.

Diesen Post habe ich im Rahmen der Blogparade „Stadtgefühle“ verfasst. Die liebe Lina hat dazu auf ihrem supertollen Blog notestoherself aufgerufen.

Advertisements

2 Gedanken zu “Madrid.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s